Tagungsdokumentation: Das Geheimnis erfolgreicher Bildung – Kindererziehung als Schlüsselfaktor
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„Das Geheimnis erfolgreicher Bildung“ konnte auf einer Experten-Tagung in Düsseldorf überzeugend gelüftet werden: es liegt schlicht in der vertrauensvollen frühkindlichen Beziehung zu stabilen erwachsenen Bezugspersonen. Forscher aus dem In- und Ausland diskutierten, was denn eigentlich das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens ist, wo sich doch die Bildung längst zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema heraus geputzt hat. Frühkindliche Prägung bestimmt in einem viel stärkeren Maße als etwa genetische Grundausstattung oder spätere Ausbildung den Lebenserfolg eines Menschen, inklusive Gesundheit, Lebenserwartung, Sozialkompetenz, Leistungsbereitschaft und Anfälligkeit für Kriminalität. Der Grundstein liegt in der frühkindlichen Erziehung: Keine Bildung ohne Bindung, hieß es.
Frühkindliche Prägung geschieht über die Gen-Aktivierung, das heißt das An- und Abschalten der Gene, das durch das soziales Erleben gesteuert wird. Angeschaltete Gene wirken auf die Hirnentwicklung und den Hormonhaushalt des Menschen. Am stärksten ist diese Wirkung in der frühen Kindheit. Was beim Kleinkind grundgelegt wird, läßt sich später beim Schüler, Azubi oder Studenten nur noch mit enormem Aufwand verändern. Diese Erkenntnisse aus Hirnforschung, Psychologie und Epigenetik zur frühkindlichen Bindung werden im übrigen durch die empirische Sozialforschung schon seit langem und regelmäßig bestätigt.
Die Schirmherrin Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg wendete sich mit einem Grußwort an die Teilnehmer. Applaus erhielt sie vor allem für die Aussage, daß der Staat niemals die bessere Familie stellen könne. Elternschaft sei die verantwortungsvollste Aufgabe, die das Leben stellt. Kinder und Eltern müßten daher von Anfang an die richtige Unterstützung erfahren, auch und gerade diejenigen Mütter, die ihr Kind in den ersten Jahren selbst betreuen wollen.
Dabei müsste das Kind ins Zentrum gerückt werden, ist die Mutter von zwei Töchtern überzeugt. Sie plädierte für die drei Z’s, die da heißen: Zeit, Zärtlichkeit, Zuwendung. Schuld sei aber auch die Gesellschaft, so Guttenberg, die eine Frau in der heutigen Zeit schräg anschaue, wenn sie zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder kümmert. „Dabei ist es ein so großes Geschenk, das Mutterglück erleben zu dürfen“, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg.
„Die Bindung zur Mutter ist ein elementares Bedürfnis“, stellte Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz fest. Zudem spüre ein Kind, ob es gewollt ist oder nicht und ob es vor allem auch in seiner Begrenztheit akzeptiert wird – in der heutigen Leistungsgesellschaft sei dies völlig verloren gegangen, mahnte Maaz. Er fordert daher „die Beziehungsfähigkeit von Eltern und Lehrer in den Mittelpunkt zu stellen, damit eine positive Beziehung zum Kind entstehen kann“
In der Diskussion wurde mehrfach klargestellt, daß zwischen Armut und sozialem Streß in der Familie zwar eine eindeutige Korrelation, aber keine klare Kausalität besteht. Der kanadische Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld wies darauf hin, daß nicht Armut, sondern Bindungsmangel die Essenz von Streß sei. Die These, daß Kinder aus sozial schwachen Familien von mehr Fremdbetreuung profitieren würden, wurde stark angezweifelt. Viele Studien weisen vielmehr gerade bei Fremdbetreuung eine weit erhöhte Streßbelastung nach.
„In der britischen Gesellschaft besteht für Kinder unter einem Jahr ein viermal höheres Risiko, gewaltsam zu Tode zu kommen als im Durchschnitt“. Mit dieser dramatischen Analyse der Gegenwart erörterte Melanie Gill, Gutachterin in Familienrechtssachen aus Brighton, England, Ursachen der zunehmenden Gewaltbereitschaft. „Wie wir selbst als Kinder behandelt werden ist der wichtigste Einflussfaktor für unsere Fähigkeit Eltern zu sein“, sagte sie. „Bei Familien“, so ihr Fazit, „wo ‘Nähe’ und ‘Fürsorge’ Fremdwörter sind, ist der Nährboden für spätere Gewalt bis hin zu Amokläufen bereitet“, da Reifungsprozesse eine lebenslange Wirksamkeit haben. Notwendig sei daher, zu wissen, „wie ein Kind sich entwickelt“. Bindung ist der wesentliche Faktor zur Verarbeitung intensiver Gefühle. „Für das Gelingen von Bindung sind wir biologisch ausgerichtet. Wir müssen dieses Bewusstsein nur wieder in die Gesellschaft bringen.“
Dr. Nees vom deutschen Familienverband bezeichnet die gegenwärtige Familienpolitik „als Politik des Unterlassens von dem, was tatsächlich notwendig wäre“. Angesichts des demographischen Desasters sei dringend ein „Familienstabilisierungsprogramm“ notwendig. Denn Familienpolitik „hat die Aufgabe, Maßnahmen zu suchen, damit Bindung gelingen kann.“
Unterstützung erhält er von dem Volks- und Betriebswirt Dr. Zitscher. Er warnte vor der, von der gegenwärtigen Politik gezielt geförderten ‘Ein-Kind-Familie’. Damit einhergehend sei „ein hoher Verlust menschlicher Fähigkeiten und Sozialkompetenz“ entstanden.







