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Matejcek-Preis

Der nach dem tschechischen Kinderpsychologen Matejcek benannte Preis wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich dafür einsetzten, daß die entwicklungspsychologisch bedingten Bedürfnisse von Kindern in den Mittelpunkt des Interesses unserer Gesellschaft gestellt und von ihr berücksichtigt werden.

Zdenek Matejcek gehörte zu den ersten Kritikern der kommunistischen Kollektiverziehung im Ostblock, er wies in wissenschaftlichen Langzeitstudien die schädliche Folgen nach.

Zdenek Matejcek (1922-2004)

Berühmter tschechischer Kinderpsychologe. Er war ein international anerkannter Begründer der modernen tschechischen Kinderpsychologieforschung, er gehörte zu den ersten Kritikern der kommunistischen Kollektiverziehung und er war ein Befürworter des klassischen Familienmodells.1996 wurde er von Präsident Vaclav Havel mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet.

Er hat in wichtigen Langzeitstudien die Entwicklungsbedingungen von Kindern untersucht und gilt als Begründer der Tschechischen Kinderpsychologischen Schule. So befasste er sich mit der Frage nach den Bedingungen für eine gesunde emotionale Entwicklung. Matejcek untersuchte dabei Kinder, die einen großen Teil des Tages in kollektiven Erziehungseinrichtungen verbrachten. Dabei konnte er aufzeigen, dass schwerwiegende Beschädigungen auftraten.

1963 entstand Matejceks preisgekrönter Film ›Kinder ohne Liebe‹. Seine Ergebnisse lösten Bestürzung aus und zogen unmittelbare Verbesserungen der tschechischen Einrichtungen zur Betreuung von Kleinkindern nach sich. Die Wochenkrippen in der Tschechoslowakei wurden abgeschafft. Bahn brechend waren seine Erkenntnisse über die Deprivation der Kinder, die er in den sechziger Jahren veröffentlichte. Er hob immer die Bedeutung des Familienmilieus für die Entwicklung des Kindes hervor.

Professor Matejcek wirkte als Pädagoge an der Karlsuniversität, arbeitete mit dem Prager Zentrum für Psychiatrie zusammen und propagierte seine Forschungsergebnisse im Bereich der Kinderpsychologie in den Medien. Professor Matejcek hat die wissenschaftlichen Möglichkeiten nie überschätzt. Vor kurzem sagte er gegenüber Radio Prag:

„Es gibt vieles, was wir noch lernen sollten. Die kleinsten Kinder verstehen wir immer noch nicht so richtig, weil uns das Kind nichts mitteilen kann. Wir versuchen sein Verhalten nur zu entschlüsseln und vermuten oder schätzen ab, was das Kind in etwa erlebt. Wir können uns davon aber durch kein Experiment überzeugen.“

 

Bisherige Preisträger:

2007: Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen

Er wurde für die „Thüringer Familienoffensive“ geehrt, eine gesetzliche Bestimmung aus dem Jahr 2005, die zahlreiche staatliche Unterstützung für Eltern beinhaltet. Mit der „Thüringer Familienoffensive“ hat Ministerpräsident Althaus auf eine kindbezogene Familienpolitik und auf eine Stärkung der Eltern gesetzt. Durch sie werden die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder gestützt und dafür gute Rahmenbedingungen geschaffen. Thüringen ist beispielsweise das einzige Bundesland, in dem ein zusätzliches Erziehungsgeld im Anschluss an das Bundeserziehungsgeld gewährt wird. So werden alle Eltern mit Kindern zwischen zwei und drei Jahren mit mindestens 150 Euro pro Monat und Kind unterstützt. Für jedes weitere Kind einer Familie gibt es zudem einen Zuschlag von bis zu 150 Euro.

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2009: Petr Necas und Anna Zaborska

Petr Necas war Minister für Arbeit, Soziales und Familie in Tschechien. Die Übergabe des Ministeramtes an seinen Nachfolger erfolgte just am Tag der Preisverleihung. Die familienpolitische Grundrichtung Tschechiens, die „neue Aufmerksamkeit“ für die Familienpolitik, würden aber auch nach dem Personalwechsel beibehalten, versicherte ein Vertreter von Minister Necas, der stellvertretend für ihn den Preis entgegennahm. In ihrer Laudatio für ihren Ministerkollegen Necas betonte die Thüringische Justizministerin Marion Walsmann die Bedeutung der Wahlfreiheit für die Eltern, wie sie eben in Tschechien und Thüringen besonders vorbildhaft verwirklicht sind und in beiden Ländern auch mit erhöhtem Kinderreichtum und demographischem Wachstum in einer schrumpfenden Umgebung einhergehen.

Anna Zaborska, die slowakische EU-Abgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter im Europäischen Parlament, setzt sich für eine neue Wertschätzung von Familien in den EU-Gremien ein. Die Laudatio hielt Staatssekretär Hermann Binkert, Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaates Thüringen beim Bund.

 

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2011: Jay Belsky
Jay Belsky ist ein international anerkannter Experte in der Kinder- und Familienforschung. Bekannt geworden ist er vor allem durch die NICHD – Studie, in welcher von 1991 – 2007 in den USA ca. 1.300 Kinder und ihre Familien daraufhin untersucht wurden, wie sich Qualität und Quantität der familiären und externen Tagesbetreuung im Kleinkindalter auf die geistige und seelische Entwicklung auswirken. Krippenkinder, unabhängig von der Qualität der Einrichtung, zeigen mehr auffälliges Verhalten als Familienkinder, wie Aggression und Ungehorsam. Die Unterschiede sind, wenn auch nicht groß, so doch relevant. Denn, gibt Belsky zu bedenken, da es eine steigende Zahl von Kleinkindern gibt, die immer früher immer mehr Zeit in externer Betreuung verbringen, können sich die Probleme z.B. in Klassenzimmern, Nachbarschaft, ja der Gesellschaft insgesamt summieren und verstärken.
Belsky veröffentlicht und kommentiert unbeirrt die Ergebnisse, auch wenn er dadurch heftig angegriffen wurde. Es diene der Wahrheitsfindung, auch wenn sie vielen im Zuge der zunehmenden Berufstätigkeit beider Elternteile von Kleinkindern nicht passt. Er ist Vertreter der Interessen und Bedürfnisse von Kleinkindern, dessen Erfüllung aber nicht nur für sie, sondern auch für die Gesamtgesellschaft von großem Nutzen ist.

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2013: Dr. Norbert Blüm

SONY DSCSeit er das politische Tagesgeschäft hinter sich gelassen hat, streitet Norbert Blüm intensiv für die Familie, für die Kinder und den Zusammenhalt der Menschen in unserer Gesellschaft. Hart geht er ins Gericht mit dem sogenannten modernen Menschen. So auch in seinem in der Süddeutschen Zeitung am 6. Mai 2013, wo er aufzeigt, dass in der modernen Arbeitswelt keine Zeit mehr ist für Liebe. Kinder werden immer mehr als Hindernis in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie empfunden.