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Familiennetzwerk ermittelt realen Krippenbedarf

30.3.07    100.000 statt 500.000 zusätzliche Krippenplätze sind bei echter Wahlfreiheit ausreichend.

Wenn die jungen Frauen in Deutschland echte Wahlfreiheit hätten, würden fast 70% ihre Kinder in den ersten 3 Lebensjahren selbst erziehen und nicht in die Krippe geben. Das ergibt eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut IPSOS im Auftrag des Familiennetzwerkes Deutschland jetzt durchgeführt hat. Bei finanzieller Entscheidungsfreiheit würden lediglich 26 Prozent der jungen Mütter ihr Kind vor Vollendung des 3. Lebensjahres in die Krippe geben. Auf der Basis der Geburtenzahl des Jahres 2005 würden demnach nur 100 000 neue Krippenplätze gebraucht statt der 500.000, die Ministerin von der Leyen fordert. Bei sinkender Geburtenzahl läge die Zahl der benötigten Krippenplätze noch weit niedriger.

Auswertung einer telefonischen Repräsentativbefragung

Befragungszeitraum März 2007 – Durchführendes Institut: IPSOS GmbH – Befragte Personen: 2000 Personen über 14 Jahre in Deutschland

Bild 1

Wenn man potentiellen jungen Müttern die Freiheit gibt, über die Verwendung einer staatlichen Förderung für ihr Kind selbst zu entscheiden, erkennt man dass die befragten Personen, die eigene Erziehung ihrer Kinder gegenüber der Erziehung in einer Kinderkrippe bevorzugen.

Würde man den Frauen pro Kind monatlich über einen Zeitraum von drei Jahren einen Betrag von 1.000 Euro zur Verfügung stellen, würden mehr als zwei Drittel (69,2 %) dieser Frauen das Geld verwenden um ihr Kind selbst zu Hause betreuen. Nur 26,2 Prozent würden damit einen Betreuungsplatz in einer Kinderkrippe finanzieren wollen.

Bild 2 und Bild 2a:

Steigert man die Attraktivität der monatlichen Finanzmittel noch zusätzlich durch die Zusage, nach der Erwerbspause wieder problemlos in die frühere berufliche Position zurückkehren zu können, dann würden nur 22,2 Prozent bereits vor dem Ende des 3. Lebensjahr des Kindes wieder in den Beruf zurückkehren.

70,1 Prozent würden das Erreichen des Schuleintritts ihres Kindes abwarten.

4,5 Prozent der befragten Mütter könnten sich vorstellen, darüber hinaus die Erziehung des Kindes dem Erwerbsberuf vorzuziehen.

Bild 3:

Dieselbe Personengruppe würde für ihren Wiedereinstieg in den Beruf ein Teilzeitmodell bevorzugen. Nur 12,7 Prozent würden nach der Erziehungsphase mehr als 30 Stunden pro Woche beruflich tätig sein wollen. Ein Drittel (33,7 %) könnte sich immerhin eine bis zu 30 Stunden umfassende Tätigkeit vorstellen.

51, 7 Prozent, also gut die Hälfte aller potentiellen zukünftigen Mütter würde nach der Erziehungsphase einen Arbeitsplatz mit nicht mehr als 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche bevorzugen.

Bilder 456:

Die folgende Auswertung macht die allgemeine Grundeinstellung in der Bevölkerung zu Krippenerziehung und familiärer Erziehung deutlich:

Das Modell, die wöchentägliche Erziehung der Kinder gänzlich in fremde Hände zu geben, ist in Deutschland wenig gefragt. Nur 15,6 Prozent aller Befragten waren der Meinung, dies sei für das Kindeswohl das Beste. In den Augen der Befragten scheint die Erziehung durch Vater und Mutter besser für das Kindeswohl geeignet (81,2 Prozent). Bei der Aufschlüsselung nach der Herkunft stellt man fest, dass die Kinderkrippe in den neuen Bundesländern ein höheres Ansehen besitzt, als in den alten Bundesländern. Interessant ist auch, daß die über 40-jährigen die häusliche Erziehung bevorzugen.

Ohne Diagramme hier noch 2 Zahlenergebnisse:

Es wurde gefragt, was unter den gegebenen Umständen für Kinder das Beste sei, und als 3. Möglichkeit gab es die Antwort eine Kombination aus Krippe und Familie. Dort war die Verteilung 55,9% zu Hause, 38,5% für eine Kombination aus beidem und 4% für die Krippe. Es wurde nachgefragt, was wäre, wenn Sie sich entscheiden müssten dann sieht man hier, dass fast zwei Drittel derjenigen, die vorher eine Kombination aus Krippe und Betreuung zu Hause am besten gefunden hatten, sich nun doch für die Betreuung zu Hause bei Mutter und Vater (65,9%) entscheidet.

Ebenfalls kein Diagramm gibt es bisher von dem Ergebnis, was die Haushaltsgröße betrifft: Bei 4 Personen und mehr Haushaltsgröße entscheiden sich 87% für die familiäre Erziehung und bei 1 PersonenH. 77,3%.

Wir möchten darauf hinweisen, daß wir bei der Auswertung die potentiellen Mütter besonders berücksichtigt haben (Frauen, deren ältstes Kind unter drei Jahre alt ist und solche, die keine Kinder haben und unter 45 Jahre alt sind).

Die Rechnung

Deutschland wird im Jahr 2013 etwa 1,95 Millionen Kinder unter drei Jahren haben, wenn die Geburtenquote nicht noch weiter sinkt. Bei einem Drittel der Kinder sind die Voraussetzungen durch das Elterngeld halbwegs (nur bei Berufstätigen) erfüllt. Dieses Drittel wird zu 98,5 Prozent zuhause erzogen werden (siehe Bild 2), bleiben also noch 1,3 Millionen und davon würden wiederum mindestens 70 Prozent kostenneutral zuhause betreut, wenn die Politik sich dazu entschliessen würde, die Wünsche der gebärfähigen Frauen vorzuziehen und das Geld statt in den Krippenausbau in die Hände der Mütter zu investieren. Von den restlichen 30 Prozent wollen 26 Prozent die Krippenplätze in Anspruch nehmen (siehe Bild 2a). Das macht 350.000 Plätze, von denen bis 2010 rund 250.000 bereits geschaffen sein sollen. In diesem Fall beliefe sich der zusätzliche Bedarf auf rund 100.000, nicht auf 500.000 wie von der Bundesregierung geplant, ein Bedarf, der durch die wahrscheinlich sinkende Kinderzahl noch unterschritten werden dürfte. Würde man die 1,5 Prozent Frauen, die ihr Kind auch im ersten Lebensjahr in die Krippe geben wollen, dazurechnen, ergibt sich ein Bedarf von 110.000.